Die 7 goldenen Regeln der gelungenen Designabstimmung für Architekten

26. June 2019
Autor: Sascha Sohn

Stellen wir uns einmal vor, wir dürfen ganz frei ein Bauprojekt planen und mit raffinierten Formen arbeiten, mit ausgeklügelten Belüftungs- und Heizsystemen arbeiten und in unserer Vorstellung entsteht ein luftiges, lichtdurchflutetes Objekt. Und jetzt kommt der Bauherr. Er findet alles fein, möchte aber gerne anstelle des weißen Marmors schwarze Lavasteinmatten oder Grauwacke nutzen und damit alle Leichtigkeit – den Clou deines Baus – wegwischen. Was tun? Wir haben ein paar Tipps zusammengetragen, wie Designfragen so gelöst werden können, dass alle zufrieden sind.

1.       Geschmack oder Teamplay? Erkenne worum es dem Bauherrn geht.

„Ein Architekt hat das Fachwissen, der Kunde seinen eigenen Geschmack.“ Dieser Spruch mag häufig stimmen, greift aber an einigen Stellen zu kurz. Denn so manches Mal sind die Überlegungen des Kunden nicht auf den Geschmack zurück zu führen, sondern dem Wunsch geschuldet, sich aktiv in das Projekt einzubringen und eine eigene Note zu erzeugen. Wer diesen Wunsch erkennt, hat es im Planungsprozess leichter und kann seinen Klienten von gravierenden Fehlentscheidungen bewahren. Beispielsweise kann ein Architekt den Bauherrn schon früh in das Projekt einbinden und immer wieder verschiedene Alternativen vorschlagen, sodass sich erst gar nicht der Wunsch aufstaut „endlich auch mal entscheiden zu dürfen“.  

2.       Wer ist wofür verantwortlich? Definiere von Anfang an die Rollen.

Ein Klient ist sich stets darüber im Klaren, dass der, der die Kapelle bezahlt, auch bestimmt, welche Lieder gespielt werden. Ein Architekt hingegen geht immer davon aus, dass Fachwissen, Vertrauen und Stil dazu geführt haben, dass er oder sie den Zuschlag erhalten hat. Beide liegen richtig, überlappen sich in punkto Verantwortlichkeit allerdings gewaltig. Zwar werden in einem Projekt stets Rahmenbedingungen gesetzt, aber die sind im Detail betrachtet oft jedoch nicht abschließend und lassen viel Raum für Missverständnisse. Daher ist es wichtig, dass jedem klar ist, wann welche Entscheidungen anstehen und welche Funktion dabei jeder einzelne hat. Will der Bauherr zu allem seine Ideen einbringen oder lässt er sich gerne beraten oder gar lenken? Es schadet nicht, die Frage einmal zu besprechen, um schon von Anfang an herauszufinden, wie der Bauherr es gerne hätte. Wenn das geklärt ist, bleiben „Grauwacke-Albträume“ garantiert aus.

3.       Geld am Bau ist immer knapp! Kalkuliere die Kosten für den Bauherrn realistisch.

Jeder Bauherr kennt Geschichten über halbfertige Baustellen, weil das Geld ausgegangen ist. Wie ein Damokles-Schwert hängt diese Vorstellung über den Köpfen vieler Klienten und nicht zuletzt der Wunsch viel für wenig Geld zu bekommen, führt zu häufig zu Abstrichen. Daher muss sehr konkret über das tatsächlich verfügbare Budget gesprochen werden. Wer schon früh weiß, wie weit er oder sie gehen kann,  designt ganz anders und sucht bezahlbare Alternativen, die zum Projekt passen.  

4.       Über Geschmack lässt sich nicht streiten, über Konzepte schon. Erkläre dein Konzept.

Für den Bauherrn ist es nicht immer deutlich, wann ein Architekt Fachwissen einsetzt und wann seinen persönlichen Stil. Für beides hat der Klient sich bewusst entschieden. Dennoch kann es nicht schaden, wenn er eben genau diese Unterscheidung bereits in der Entwurfsphase des Projektes erklärt bekommt. Gehen wir zurück zum Beispiel: Weißer Marmor reflektiert das Licht besonders gut und bleibt angenehm kühl, Grauwacke hingegen heizt sich schneller auf und absorbiert das Licht deutlich mehr. Diese Materialeigenschaften haben nicht nur geschmackliche Auswirkungen, sondern auch Auswirkungen auf das Klimakonzept und die Lichtverhältnisse. Mit einer interaktiven Entwurfspräsentation, die Licht und Schatten zeigt, kannst Du beispielsweise zeigen, wie sich die Unterschiede auswirken.

5.       Er will den Puls spüren. Beziehe den Bauherrn immer wieder ein.

Architekten wissen „Suche möglichst früh das Gespräch mit deinem Kunden“, doch oft genug macht sich nach der anfänglichen Klärung große Stille breit. Das geht besser. Wer seine Auftraggeber immer wieder auch bei Zwischenschritten in der Architekturplanung einbezieht, genießt ein höheres Vertrauen und weiß selbst deutlich besser, ob die Entwürfe gefallen. In der Konsequenz sind Bauherr und Architekt deutlich zufriedener und bleiben auf dem neuesten Stand.

6.       Wenn der Klient versteht, entscheidet er besser. Kommuniziere verständlich und visuell.

Wir haben Dir die Tipps zwar schon einmal gegeben, aber sie sind es wert, wiederholt zu werden. Der Klient muss nachvollziehen können, was ihm oder ihr erzählt wird. Daher: Nutze einfache und für jeden verständliche Begriffe, arbeite mit Bildern und zeige deinem Klienten die Fortschritte gleich in 3D, sodass möglichst wenig seiner Phantasie überlassen ist. Wie beispielsweise interaktive Architektursoftware dabei helfen kann, findest Du in dem Beitrag „Entwürfe in weniger als 3 Minuten visualisieren und teilen“.

7.       Am Ende ist es sein Haus. Nimm‘s professionell.

Es kommt der Moment, in dem alle Argumente ins Leere laufen und der Kunde einfach etwas möchte, das in keiner Form zum Projekt passt. Das macht keinen Spaß und wird den einen oder anderen sicher gewaltig ärgern. Da hilft es, sich bewusst zu machen, dass der Klient in dem Haus leben muss (oder es zumindest zu verantworten hat).  Wer sich hier von seiner eigenen Verantwortung frei machen kann, vermeidet anstrengende Diskussionen und kann den freien Willen des Bauherrn wesentlich besser hinnehmen.


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