CAD-Software: Geht es überhaupt um Design?

10. January 2019
Autor: Dominik Kraatz

Nach meiner letzten Entwurfspräsentation für ein gigantisches Bauvorhaben in Berlin habe ich bei mir zuhause auf der Terrasse gesessen und über das Projekt nachgedacht. Welche Phasen hatten wir schnell und zügig durchlaufen? Wo waren die Hürden? Welche Hindernisse haben unseren Flow ins Stocken gebracht? Ein Stolperstein ist mir dabei besonders aufgefallen: Software für Architekten. Egal wie ich es drehte und wandte, wenn es irgendwo gehakt hat, dann war es hier und je mehr ich darüber nachdachte, desto deutlicher wurde für mich, dass sich hier etwas verändern muss.

Aber an Architekten-Software wird sich auch in den nächsten Jahren nichts verändern.

Illusion und Realität über die Arbeit eines Architekten
Am Anfang meiner Ausbildung zum Architekten hatte ich dieses archetypische Bild vom Architekten im Kopf, der mit Bleistift, Tusche und Papier beeindruckende, detailreiche Gebäude entwirft. Auch wenn ich mir wünschte, dass diese Vorstellung wahr wäre, ist sie es leider nicht. Die Realität sieht ganz anders aus. Das musste wohl so mancher von uns Architekten schmerzlich feststellen.
Wir sitzen vor Computern, klicken uns durch unterschiedlichste Software, um unseren Schöpfungen Leben einzuhauchen. Ein Programm, an dem dabei niemand von uns vorbeikommt, ist CAD (Computer Aided Design). Zweifelsfrei kennt dieses Programm jeder Architekt und auch jeder andere, der in der einen oder anderen Art und Weise mit 3D-Design zu tun hat. Ganz egal ob er nun Architekt, Ingenieur oder Industrie-Designer ist. Schließlich ist CAD die Software, die unsere Arbeit unterstützt, sie angenehmer und einfacher machen soll.

Die ursprüngliche Intention hinter CAD
Die ursprüngliche Intention hinter der Entwicklung von CAD war es auch, uns Kreative in unserer Arbeit zu unterstützen. Ivan Sutherlands, Erfinder von CAD und Entwickler der ersten CAD-Software SketchPad hatte das zumindest im Sinn. In seiner Dissertation schreibt er: „It is our intent with this example to show what the computer can do to help us draw” (frei übersetzt: Wir beabsichtigen mit anhand dieses Beispiels zu zeigen, dass der Computer uns beim Zeichnen helfen kann).

Jeder der schon einmal eine CAD-Anwendung geöffnet hat, wird sich aber unabwendbar die Frage stellen: Wie soll dieses Programm denn helfen?
Tatsächlich bekommen viele Anwender eher den Eindruck, dass in einer CAD-Software das Programm bestimmen soll wie unsere Arbeit abzulaufen hat und uns Vorschriften macht, anstatt uns zu unterstützen. Aus der gewichtigen Vorarbeit Sutherlands sind Software-Programme entstanden, die häufig Werkzeuge mit einer Funktionsflut und damit im Design Fluss vielmehr hinderlich anstatt hilfreich sind. Sie bremsen unseren Flow.

Was ist also schief gegangen?

Die Wahrheit über CAD-Software
CAD-Software, wie sie zum heutigen Zeitpunkt besteht, wurde von Managern geplant und von Software-Entwicklern umgesetzt. Sie haben dabei an fast (!) alles gedacht: Alle erforderlichen Funktionen für Designer sind vorhanden.
Die Art und Weise ihrer Auflistung und Anordnung entspricht bei Weitem aber nicht dem was man unter einer modernen, ästhetischen und nutzerorientierten Benutzeroberfläche versteht. Es ist vielmehr eine einfache Aufreihung und damit erschlagenden Anzahl an Funktionen. CAD-Software ist entsprechend klobig und schlecht bedienbar. Wird dann aber an uns Architekten und Designer verkauft, also an von visuellen Reizen und Ästhetik getriebenen Personen. Warum das so ist? Ganz einfach: Diejenigen, die die Software entwickeln sind grundlegend verschieden von uns.

Im Vergleich zu Software-Entwicklern setzen wir Designer vielmehr auf Details und verbringen Stunden damit Gestaltungselemente zu optimieren. Wir verwenden dafür eine Vielzahl von Medien wie Moleskine Skizzenbücher, Bleistifte und Fineliner oder auch die Adobe Suite, um unsere Entwürfe zum Leben zu erwecken. Wir bevorzugen iOS gegenüber Android aufgrund des Nutzererlebnisses. Unsere Lieblingsfarben sind eher neutrale Töne. Wir Designer unterscheiden uns einfach grundlegend von Software-Entwicklern und entsprechend haben wir auch grundlegend andere Arbeitsgewohnheiten.

Aber nur sehr wenige Software-Entwickler verstehen auch worum es bei Design geht. Mit 3D-Designs verschärft sich die Situation nochmals, weil ein vollkommen neues Komplexitätslevel erreicht ist, insbesondere für Menschen, die nichts mit Design-Prozessen zu tun haben. Diese Menschen werden aber weiterhin die Software entwickeln, die uns Architekten in unserer Arbeit unterstützen soll.

Warum die CAD-Hersteller nichts an CAD-Software ändern werden
Über die Jahre hinweg ist die CAD-Software-Industrie, getrieben von einem steigenden Design-Bedarf, zu einem gigantischen Markt angewachsen.

Ein Großteil der Geschäftsmodelle in der 3D-Design-Welt bauen dabei auf saftig bepreisten Software-Abonnements. Zu den Abonnenten zählen unter anderem die Design- und Konstruktions-Abteilungen global führender Unternehmen etabliert. Entsprechend sind Absätze und Umsätze beständig hoch. Es ist ein gesättigter Markt, dem der eine Riese dem anderen vielleicht noch ein paar Bruchteile seines Marktanteils mit hohem Aufwand abringen kann.

Daher besteht für große 3D Softwarehersteller auch kein Anreiz eine grundlegende Veränderung herbeizuführen. Haben sie es einmal geschafft in das Spiel einzusteigen, bleiben sie auch darin, erweitern ihren Einfluss und steigern ihr Wachstum vornehmlich durch Akquisitionen (hier eine Liste der Unternehmensakquisitionen der Nemetschek Group).
Hochgradige Vereinfachung und Nutzerorientierung ist einfach nicht Teil dieses Geschäftsmodells.

Dabei geht es auch anders
In den letzten Jahren wurden mit Sketch und InVision intelligente Tools entwickelt, die auf die Anforderungen und Bedürfnisse von Grafik- und Web-Designern ausgerichtet sind. Beide bestechen durch ihre Abkehr von den bestehenden Standards; setzen stattdessen auf die Entwicklung innovativer Designer-Tools. Ihr Fokus liegt darin, zu verstehen was Designer wirklich wollen und was sie brauchen, was ihnen wichtig ist und zu verstehen wie ihre tägliche Arbeit aussieht.

Software wie Allplan, AutoCAD, ArchiCAD, Maya, Rhino usw. sind programmiertechnisch hervorragend entwickelte Programme. Aber ihre Benutzeroberflächen und das Nutzererlebnis sind schlichtweg eine einzige Katastrophe.
Vergleicht man das innovative und intuitiv gestaltete Nutzererlebnis und die ebenso gehaltene Benutzeroberfläche von Sketch mit der von Allplan oder AutoCAD - belassen wir es mal bei „nicht ganz so gut gelungen.“

Aber warum unterstützen diese Programme Designer nicht in ihrem Workflow? Warum benötigen Anfänger Stunden, Wochen, wenn nicht Monate, um mit der überladenen, verwirrenden und behäbigen Nutzeroberfläche zurecht zu kommen? Und warum können sich nur die höchst bewanderten Nutzer schließlich als Experten bezeichnen und sich damit rühmen verstanden zu haben wie das undurchsichtige Nutzerinterface zu durchwaten ist und sich eingeprägt zu haben wo sich jeder Button und Befehl versteckt?

Sketch und InVision zeigen doch wie passgenau Software auf die Anforderungen von Zielgruppen zugeschnitten sein kann.

Es wird Zeit für eine Veränderung
Alles in allem wird sich an der Benutzerfreundlichkeit von CAD- und anderer Architekten-Software wohl nichts ändern, zumindest nicht aus dem momentanen Zustand heraus. Denn weder die internen Voraussetzungen seitens der Software-Entwickler noch die externen Voraussetzungen, seitens der Unternehmen und der Charakteristika der Industrie, sind vorhanden.

Diese Sorgfalt für den Arbeitsstil von Designern war eines unserer primären Motive als wir begonnen haben an Inzept3D zu arbeiten. Unser Ziel ist es Designer-Tools an die Hand zu gaben, die intelligent sind und sie in ihren Arbeitsprozessen unterstützen anstatt sie zu behindern. Wir wollen, dass der Spaß und die Passion, die Designer in ihrer Arbeit haben, sich auch in der Software wiederfindet, die sie einsetzen. Das ist unsere Mission und unser erster Schritt ist in diese Richtung ist die Veröffentlichung von Inzept3D. Eine Kommunikationslösung für Architekten, die uns schon seit langem vorschwebte.

Eine Veränderung in einer so etablierten Industrie wie der CAD-Industrie herbeizuführen wird jedoch nicht einfach werden. Stattdessen wird es ein harter Weg werden, auf dem wir die Unterstützung möglichst vieler Architekten benötigen, die uns helfen Inzept3D zu verbessern und nach ihren Bedürfnissen weiterzuentwickeln.

Also registriere dich >HIER< für die kostenlose Basis-Version von Inzept3D. Teste die Grundfunktionen der Software und gib uns Feedback zu deiner Erfahrung. So gestalten wir gemeinsam die Zukunft der Architektur!

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